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Das Youth-Camp 2008 war wieder ein voller Erfolg: 14 Menschen, die sich auf eine Reise begeben haben, um ein anderes Land und deren Leute kennen zu lernen. 

Lesen Sie hier Erfahrungsberichte von Menschen, die über den Tellerrand schauen.

 

 

Kenia, eine Reise der Widersprüche

Im Oktober diesen Jahres ermöglichte mir der Verein I SEE und die Richtsberg- Gesamtschule im Rahmen eines Youth- Camps einen Aufenthalt für zwei Wochen in Kenia. Neun Tage verbrachte ich mit einer Gruppe von 5 Erwachsenen und 5 Jugendlichen im Kinderheim in Kiaragana. Wir lebten unter den gleichen Bedingungen wie die Kinder vor Ort, beteiligten uns am Wasser holen, an den Küchendiensten und während die Kinder zur Schule gingen, errichteten wir einen Zaun für ein neu erworbenes Grundstück. Nachmittags erledigten wir zeitweise unsere Einkäufe in dem nur wenige Kilometer entfernten Ort Runyenjes und waren dort die Attraktion für die Bevölkerung. Diese völlig fremde Lebensweise und die vielfältigen persönlichen Eindrücke ließen mir diese neun Tage wie Wochen erscheinen.

Nach dieser intensiven Zeit, weit weg von meinem bekannten europäischen Standard, bin ich wieder im wohlhabenden Deutschland mit heißer Dusche, Klospülung und einer immensen Auswahl an Lebensmitteln angekommen und werde nach meinen Erlebnissen und Erfahrungen gefragt. Was kann ich antworten, was nicht fast jeder aus Medienberichten kennt. Dann erzähle ich doch von der erschreckenden Armut in Kenia, von menschlichen Behausungen, in die wir privilegierten Deutschen nicht mal unseren Kleinwagen abstellen würden, von dem Dreck in den Orten und von drogensüchtigen Kindern und Jugendlichen, die uns bettelnd hinterherliefen und von den Straßenständen, an denen Kleider aus Altkleidercontainern aus dem Westen verkauft werden.

Ich erzähle aber auch von den lebendigen Abenden im Kinderheim, an denen die Kinder den Blechbechern und Plastikmüll die schönsten Rhythmen entlockten und alle Anwesenden lautstark in den Chorgesang einstimmten, von den bildungshungrigen Kindern, die ihren Schulbesuch als Privileg erleben und zu schätzen wissen und von der beeindruckenden Selbständigkeit der Kinder und Jugendlichen, die ohne großes pädagogisches Feuerwerk ihren Tagesablauf meistern und mit den einfachsten Mitteln ihre Freizeit gestalten. Die Realisten unter meinen Freunden quittieren meine Erzählungen über die erschreckende Armut mit den Bemerkungen: "Na. Was hast du anderes erwartet, wenn du nach Afrika reist?" Die Afrikaromantiker unter meinen Bekannten äußern sich zu meinen Darstellungen über die zufrieden wirkenden Kinder im Kinderheim mit dem Hinweis: "Da siehst du es, Materielles allein macht eben auch nicht glücklich." Armut allein macht aber bestimmt nicht glücklich!

In den neun Tagen im Kiaragana-Kinderheim wurde mir nur allzu bewusst, dass wenigstens bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen, um ein menschenwürdiges Leben führen zu können. Die Ausgeglichenheit und Selbstzufriedenheit der Kinder, das gut funktionierende soziale Miteinander, wie ich es im Kinderheim erlebt habe, ist nur möglich weil die Grundbedürfnisse sichergestellt sind und den Kindern dort ein Gefühl von Beständigkeit und Sicherheit gegeben wird.

Wir alle wissen, dass die Unterstützung des Kinderheims nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist und der arme Kontinent Afrika  ganze Sturzbäche benötigt. Ich konnte jedoch ganz konkret miterleben wie einige Tropfen auf fruchtbaren Boden fallen und nicht einfach versiegen. Ich bin froh, diese Reise gemacht zu haben, mein Blick für soziale Ungerechtigkeit ist geschärft worden und es hat meine Sehweise auf unser privilegiertes europäisches Leben korrigiert.

Angelika Weick

 

 

Mein Erlebnisse im Kiaragana-Kinderheim in Kenia

An einem Freitagabend im Dunkeln wurden wir vor dem Kinderheim von dem Wachmann mit Flitzebogen und Pfeile in Empfang genommen. Das war der erste Eindruck, den ich vom Kinderheim bekam. Im Regen bauten wir dann die Zelte auf, wobei die Kinder uns gleich zur Hilfe kamen und uns kenianische Hämmer organisierten (Steine, Holzscheit). Beim anschließenden Abendessen war ich sehr beeindruckt, wie die großen Kinder (z.B. Denis, Jason und Priscila) die Kleinen anleiteten und die Verantwortung für sie übernahmen. Während der ganzen Zeit waren die Kinder sehr neugierig auf uns und haben sich, wenn sie Zeit hatten, immer bei uns aufgehalten und geschaut was wir machen.

Als eine Kiste mit Spielsachen, die schon lange im Lager des Kinderheims stand, von uns ausgepackt wurde, stellen wir fest, dass weniges davon benutzt wurde. Es zeigte sich, dass viele der schönen Geschenke, die Gruppen vor uns mitgebracht haben, deswegen noch eingepackt waren, weil keiner der Kinder wusste, was man damit machen kann. So fragte ich Denis und Jason, die gerade eine kleines "Vier-gewinnt"-Spiel auspackten, ob sie wüssten, wie man es spiele und erklärte es ihnen. Im Laufe der Woche wurde nun das Spiel immer öfters heraus geholt und die Kinder spielten es selbstständig oder mit einem von uns. Wie sehr sich manche Arbeitsweisen in Kenia von Deutschland unterscheiden, wurde mir vor allem bei dem Bau des Zauns klar, da die Materialien nur nach und nach kamen. Zeit hat hier eine ganz andere Bedeutung und es war schon ein komischer Moment, als man zu dem Grundstück kam das umzäunt werden sollte und man dort eine Kuh sah, die dort quasi "tankte".

Sie gehörte zum Holzlieferanten, der einen Schwung neuer Bretter gebracht hat und er gönnte ihr und sich erst mal eine Pause. Insgesamt muss ich sagen, dass ich sehr positives Bild vom Kinderheim habe und den Menschen, die dort leben und arbeiten. Die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Kinder und Erwachsenen unterscheidet sich schon deutlich von dem was man in Deutschland kennt. Unvergesslich ist die Begegnung mit zwei kenianischen Frauen, die uns auf dem Weg nach Runyenjes entgegen kamen, uns herzlich begrüßt haben und uns fragten, wie es uns gehe und wo wir herkommen. Nach 9 Tagen im Kinderheim fiel uns der Abschied schon schwer und ich denke ich werde nie vergessen, was ich dort erlebt habe.

Mirco Niehbuhr

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